Simulierte und tatsächliche Begegnungsfälle

In diesem Beitrag soll die tatsächliche Situation im „Begegnungsfall“ zweier Fahrzeuge aus Sicht des zuvor beschriebenen Entwurfs des Verkehrsamtes einmal bildlich dargestellt werden.

Hierzu habe ich zunächst einige Aufnahmen unseres Familienwagens, eines großen SUV mit 2,10m Breite (inkl.Spiegel), an den entsprechenden Stellen gemacht. Diese Aufnahmen habe ich dann mithilfe einer Bildverarbeitungs-Software so ergänzt, dass das gleiche, vergleichsweise breite Fahrzeug „sich selbst begegnet“:

Erste Ausweichstelle (unterer Abschnitt)
Zweite Ausweichstelle (mittlerer Abschnitt)
Dritte Ausweichstelle (oberer Abschnitt)

In zwei Fällen fuhren während der Aufnahmephase problemlos andere Fahrzeuge vorbei:

Zweite Ausweichstelle (mittlerer Abschnitt)
Dritte Ausweichstelle (oberer Abschnitt)

Die Aufnahmen zeigen deutlich, dass es selbst für größere Fahrzeuge an den vorgeschlagenen Ausweichstellen genug Platz gibt. Die hier dargestellten Fälle bieten allesamt noch genug „Reserve“. Darüber hinaus könnte durch ein Verbot für überbreite Fahrzeuge in einer Richtung dafür gesorgt werden, dass keine Extremsituationen auftreten.

Die vom Verkehrsamt im entsprechenden Entwurf vorgeschlagenen Markierungen und weiteren Sicherungsmaßnahmen würden dafür sorgen, dass alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer – bei üblicher Fahrweise unter Beachtung grundlegender Regeln bestmöglich sicher wären. Davon ist umso mehr auszugehen, da bei Begegnungsverkehr allgemein vorsichtiger gefahren wird als in Einbahnstraßen gleicher Breite.

Selbst in der Vergangenheit, als es weder einen verbreiterten Fußweg, noch zusätzliche Markierungen bzw. Sicherungsmaßnahmen gab, kam es zu keinen Unfällen in diesem Bereich, und sämtliche Begegnungsfälle mit Verkehrsteilnehmern aller Art wurden mit der gebotenen Vernunft gelöst.

 

Verkehrspolizei stimmt Entwurf des Verkehrsamtes nicht zu – Bericht vom Informationsabend am 10.12.

Die Informationsveranstaltung des Verkehrsamtes zum Thema Einbahnstraße „In der Unteren Rombach“ am 10.Dezember war sehr gut besucht. Der Gemeinderaum im Evangelischen Kindergarten war bis auf den letzten Platz besetzt. Zweifellos sind viele Anwohner an einer Verbesserung der aktuellen Situation interessiert und hatten sich sogar in der terminlich oft vollgeplanten Vorweihnachtszeit diesen Abend dafür freigehalten.

Zunächst wurden in einer Frage- und Diskussionsrunde viele Meinungsäußerungen der Anwohner zum Thema gehört. Hier wiederholte sich das Bild, welches auch schon in einer Umfrage vor über einem Jahr entstand: Die aktuelle Situation stellt in keinster Weise einen Zustand dar, der in Anbetracht der Erfahrungen der Vergangenheit die Interessen der deutlichen Mehrheit der Anwohner angemessen berücksichtigt. Viele Nachteile wurden ja bereits in vorangegangenen Beiträgen ausreichend erläutert.

Daher wurde in den vergangenen Monaten vom Verkehrsamt ein Vorschlag erarbeitet und nach der Diskussionsrunde vorgestellt, der – unter verbesserten Sicherheitsmaßnahmen – mit Hilfe von drei deutlich gekennzeichneten Ausweichbereichen (ohne Radfahrer-gefährdende Schwellen) wieder eine Befahrbarkeit in beide Richtungen ermöglichen sollte (klicke das Bild oben an, um eine kleine Vorschau als JPG zu sehen, alternativ das Bild unten, um den vollständigen Entwurf als PDF herunterzuladen):

Erläuterungen zum Entwurf vom Herrn Gampp, Verkehrsamt, 26.10.2018:
„Der Entwurf sieht vor, die Einbahnstraßenregelung aufzuheben und den Verkehr wieder in beide Richtungen freizugeben. Um dennoch eine möglichst übersichtliche und vor allem für Fußgänger sichere Organisation des Verkehrs zu gewährleisten, soll die Fahrbahn auf 2,75m markiert und so ein deutlich breiterer Gehwegbereich (ebenfalls durch Markierung) hergestellt werden. Aufgrund der dadurch sehr schmalen Fahrbahn werden Ausweichstellen geschaffen um den Begegnungsfall zweier Fahrzeuge zu ermöglichen. Diese befinden sich in den Bereichen bereits vorhandener Einfahrten. Hier wird durch das Aussetzen der Markierung eine Mischfläche geschaffen welche von Fußgängern und Fahrzeugen gleichermaßen genutzt werden kann. Zur Sicherheit der Fußgänger sind entsprechende Piktogramme, am Anfang und Ende der Ausweichzonen Poller und zusätzlich zur optischen Verdeutlichung „Haifischzähne“ aufgebracht (die genaue Ausgestaltung dieser Maßnahmen ist noch nicht abschließend geklärt). In diesen gekennzeichneten Bereichen sind die Dimensionen ausreichend, um zwei Fahrzeugen das Vorbeifahren zu ermöglichen und gleichzeitig den Fußgängern genügend Sicherheit und Raum zu geben um z.B. in den Einfahrtsbereichen zu warten oder vor der Ausweichstelle kurz stehenzubleiben.“

Dieser Entwurf wurde von der klaren Mehrheit der anwesenden Anwohner  als sinnvoll angesehen und wäre in vielerlei Hinsicht eine gute, vernünftige Lösung: Ökologisch, ökonomisch und nicht zuletzt auch bzgl. der Sicherheit für alle Seiten: Unter Erweiterung des Bereichs für die ohnehin sehr geringe Zahl der Fußgänger und mit einer erneuten Öffnung in beide Richtungen würde der vergleichsweise geringe Verkehr wieder bewusst vorsichtiger in beide Richtungen fließen, mit signifikant positiven Auswirkungen für den Abschnitt selbst sowie – aus übergreifender Sicht genauso wichtig – die umliegenden Bereiche bis hin zum Schloß-Wolfsbrunnenweg, der Wolfsbrunnensteige und sogar dem Hausackerweg, in denen schwierige und gefährliche Situationen nun zugenommen haben.

Leider erklärten Herr Herzog und Herr Gampp vom Verkehrsmanagement der Stadt Heidelberg im Anschluss, dass der vorliegende Vorschlag bisher KEINE Zustimmung der Verkehrspolizei und eines nicht weiter benannten Sicherheitsbeauftragten fand. Die fehlende Zustimmung ist zwar rechtlich nicht bindend für das Verkehrsamt, aber man wolle sich darüber auch nicht hinwegsetzen.
Dieses Statement kam doch sehr überraschend für viele Anwesende, da man im Vorfeld mit einem positiven Ergebnis nach der Erstellung eines Vorschlags durch das Verkehrsamt rechnete. Von der Verkehrspolizei waren keine Vertreter anwesend.

Wie daraufhin in vielerlei Kommentaren geäußert, ist die ablehnende Haltung der Verkehrspolizei zum vorgestellten Kompromissvorschlag nicht nachzuvollziehen. Viele Straßen in Schlierbach und Ziegelhausen haben beengte Verhältnisse, und nach wie vor ist es nicht nur möglich, sogar besser, auf gegenseitige Vernunft und Rücksichtnahme der überwiegend ortskundigen Verkehrsteilnehmer zu bauen, als durch einschneidende Maßnahmen Probleme nicht nur zu verlagern, sondern in Summe zu vergrößern. Viele Argumente zu den Aspekten Sicherheit, Umweltschutz, Lärmbelästigung etc. nicht nur im eingeschränkten Bereich wurden hierzu bereits genannt. In der Vergangenheit sind selbst langjährigen Anwohnern keine Vorfälle im betroffenen Bereich bekannt, die eine so übergreifende und weitreichende Änderung der Verkehrsführung  rechtfertigen. Eine bessere Lösung ist unabdingbar, und viele Vorschläge wurden bereits genannt.

Gerade was die Haltung der Verkehrspolizei und des erwähnten Sicherheitsbeauftragten angeht, blieben viele Fragen offen, die es zu klären gilt:

  • Nach welchen Regularien und auf welchen Grundlagen wurde die Aussage der Verkehrspolizei getroffen? Welchen Ermessensspielraum gibt es hier?
  • Welche Personen sind dafür verantwortlich? Um welchen Sicherheitsbeauftragten geht es?
  • Nehmen diese Ratgeber die Risiken und Behinderungen in den anderen Bereichen wahr, die durch die aktuelle Regelung entstehen? Übernehmen sie bewusst die Verantwortung für entsprechende Konsequenzen, auch Unfälle, die dadurch in diesen betroffenen Bereichen entstehen?

Nach Ansicht vieler Anwohner ist die aktuell abweisende Haltung der Verkehrspolizei nur eine vermeintlich sichere, zu einfache Antwort auf ein unspezifisches Sicherheitsbedürfnis. Es ist keine dringend erforderliche, alle Aspekte und Bereiche berücksichtigende Betrachtung.

Zum Abschluss der Veranstaltung bedankten sich sowohl Herr Herzog als auch die Anwohner für die konstruktive Diskussion und die vielen Eindrücke während der Veranstaltung.
Mit diesen Eindrücken wird das Verkehrsamt sich im neuen Jahr nochmals intern mit dem Thema beschäftigen sowie das Gespräch mit der Verkehrspolizei suchen, um die gewonnenen Erkenntnisse weiterzugeben.

Ein Schreiben, in dem um Klärung der o.g. Fragen gebeten wird, wurde dem Verkehrsamt am 15. Dezember per Email zugesandt. Die Beschwerde mehrerer Anwohner gegen die Einbahnstraßenregelung ist nach wie vor offen, Akteneinsicht wurde schon vor längerer Zeit gefordert. Wir werden sehen, was das neue Jahr bringt…

Martin Walla

 

Top